Der Herr der Ringe

Von J.R.R. Tolkien

Wie der Titel schon sagt, geht’s heute um Der Herr der Ringe. Dieses Buch habe ich 16 mal gelesen und einmal als Hörbuch gehört. Wie oft ich die Filme gesehen habe, habe ich nicht gezählt.

Und natürlich habe ich auch Das Silmarillion und Der Hobbit gelesen und gehört – mehrfach. Ganz abgesehen von den Zusatzbüchern: Das Tokien-Lexikon, Das Mittelerde-Lexikon, Nachrichten aus Mittelerde, Verschollene Geschichten von Mittelerde und, und, und…

Es gibt ja unzähliges Material dazu.

Warum aber hat dieses Buch es geschafft mich so zu fesseln? Nicht nur mich sondern Tausende – vermutlich Millionen – andere auch?`
Liegt es an Tolkiens Schreibstil? Oder an der Tiefe der Welt? An den sehr gut ausgearbeiteten Charakteren? Oder an der Geschichte?

Ich persönlich glaube es liegt am Gesamtpaket. Die ewigen Beschreibungen zum Beispiel von Tolkien find ich beim ersten Mal toll aber irgendwann nerven sie doch. Wenn man bedenkt, dass das „Rote Buch“ 1089 Seiten (ich hoffe ich erinnre mich richtig) hatte und davon sicher ein Drittel nur Beschreibungen von inneren Konflikten war….
Man bedenke Frodos und Sams Reise nach der Trennung von den Gefährten bis zur Treppe und Kankras Höhle (die Riesenspinne) oder danach ihre Reise durch Moria. Beide Reisen werden hauptsächlich gezeichnet von Frodos innerem Kampf und der Last des Ringes. Ich meine es ist toll beschrieben, doch diesen Teil habe ich dann gelegentlich übersprungen, weil er beim fünften Mal lesen anstrengend ist.

Wenn ich auch nicht so ein riesiger Fan von Tolkiens Schreibstil bin, so bin ich dafür sein größter Fan wenn es um die Tiefe der Welt geht. Mit Arda und Mittelerde hat er eine unglaubliche Welt erschaffen. Das mag man beim Lesen des einen Buches nicht so mitbekommen, aber wenn man die Anhänge anschaut und die Geschichten die Tolkien rundherum um die Hauptstory geschrieben hat, so sieht man sich einem unglaublichen Detailreichtum gegenüber.  Und genau dieser Reichtum fasziniert mich immer wieder. Weil da noch so viel Potential drin steckt. In der Hauptstory kriegt man nichts von den Beorningern mit, oder wie die Zwerge vom Einsamen Berg gegen die Schergen Mordors kämpfen mussten. Erst in den Anhängen sieht man Vermerke dazu. Und nicht nur für aktuelle Ereignisse, sondern auch für „historische“ Ereignisse hat Tolkien gesorgt. Er hat sich die Geschichte seiner Welt perfekt und unglaublich detailgetreu ausgedacht. Und meiner Meinung nach auch sehr stimmig.

Ein weiteres wichtiges Element von Tolkiens Werk sind die Charaktere. Charaktere mit einer Geschichte, mit einer Persönlichkeit und mit eigenen Wünschen, Ängsten und Träumen. Das ist vor allem faszinierend weil es beim Herrn der Ringe ja nicht nur einen Hauptprotagonisten gibt, sondern viele. Und weil auch alle Personen rundherum stilvoll gezeichnete Charaktere haben. So ist Galadriel nicht einfach eine hilfsbereite Elfenkönigin und Eomer ist nicht nur ein adeliger Reiter Rohans. Sondern beide sind mehr. So wie ein Mensch nicht einfach nur ein Elektriker oder ein Hippie ist, sondern mehr: eine Summe aus vielen Bestandteilen.  Und Tolkien verstand es meisterlich so authentische Charaktere zu erschaffen.

Nun kommt zuletzt noch die Geschichte…. Einzigartig? Besonders? Eigentlich nicht…. Oder besser gesagt: eigentlich nicht mehr. Denn mittlerweile hat man Varianten dieser Geschichte schon überall gesehen: in Filmen, in Büchern, in Computerspielen, in Comics…. Doch damals war die Story noch frisch und es gab nicht viel  fantastische Literatur und so war es etwas Besonderes. Doch wenn wir alle irgendwie Teile der Story bereits kennen, warum fesselt uns dann diese Geschichte immer noch? Ich glaube es liegt neben den bereits oben erwähnten Elementen am richtigen Zusammenhang, am richtigen Aufbau der Geschichte. Die Geschichte entwickelt sich und die Charaktere entwickeln sich mit der Geschichte. Und das auf wunderbar authentische Art und Weise. Die Freundschaft zwischen Zwerg und Elf entsteht nicht einfach sondern beruht auf gegenseitigem Respekt. Und diesen Respekt haben die beiden sich verdient. Aragorn ist nicht von Anfang an der König von Gondor, anfangs glaubt er nicht dran, dass er es werden könnte, doch er entwickelt sich in diese Richtung im Laufe der Geschichte.
Und das macht den Erfolg für mich aus: Die Charaktere und die Geschichte entwickeln sich im richtigen Tempo auf die richtige Art und Weise. Es fühlt sich nicht falsch, nicht gemogelt an, sondern einfach „richtig“.

Fazit: Der Herr der Ringe ist und bleibt für mich das Hauptwerk der fantastischen Literatur und ich werde mir die Hörbücher dazu sicher noch oft anhören.
Ich hab gehört, dass sich Amazon die Rechte für Spin-Offs gekauft haben und hoffe sie machen etwas der Vorlage würdiges daraus. Die Filme Anfang der 2000er Jahre haben das meines Erachtens geschafft. Ich hoffe Amazon macht das nicht kaputt. Aber nun ja sehen wird ich die Serien sowieso nicht, also wird ich mich auch in Zukunft an die originalen Romane halten.

Für jene dessen Interesse ich geweckt habe: Lest nicht als erstes Das Silmarillion auch wenn es das chronologisch erste Buch ist, sondern fangt direkt mit Der Herr der Ringe an oder mit Der Hobbit. Und beim Herrn der Ringe:  ja der Anfang ist etwas langatmig, aber haltet einfach durch – es wird sich lohnen 😊 Das Silmarillion könnt ihr danach immer noch lesen, auch wenn viele Leute von der Flut an Namen meistens abgeschreckt werden.