Die Tribute von Panem

By Suzanne Collins

Im Jahr 2012 saß ich einmal morgens beim Kaffee und hörte Radio. Da erzählten die von einem neuen Film, der an diesem Tag ins Kino kam: Tribute von Panem – The Hunger Games. Ich hörte mir das kurz an und die Geschichte fesselte mich. Sofort recherchierte ich im Internet und kaufte noch am selben Tag die Bücher. Bald darauf war ich auch im Kino. In den folgenden Jahren sah ich alle vier Filme und las alle drei Bücher, einmal hörte ich 2017 die Hörbücher und nun – 2020 – hörte ich alle noch einmal zusätzlich zum neu erschienenen Roman: Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange. Diese Rezension ist nur für die ursprüngliche Trilogie, den neuen Roman werde ich in einem eigenen Beitrag rezensieren.

Hintergrund

Panem ist das Überbleibsel eines welterschütternden Krieges in Nordamerika. Eine Nation, die von der mächtigen Hauptstadt – dem Kapitol – aus regiert wird. Rundherum liegen die 12 Distrikte, welche die Hauptstadt mit allem nötigen versorgen. In den Distrikten leben die Menschen in Knechtschaft und Abhängigkeit vom Kapitol. Vor vielen Jahren haben sich die Distrikte unter Führung von Distrikt 13 erhoben und einen Krieg gegen das Kapitol begonnen. Schließlich verloren die Distrikte und 13 wurde ausgelöscht.

Als Erinnerung an diesen Krieg mussten die 12 verbliebenen Distrikte neben ihrer wiederkehrenden Knechtschaft auch noch einen ganz speziellen Tribut leisten: Jedes Jahr wurden zwei Kinder – ein Junge und ein Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren – per Los ausgewählt, um als Tribut in die Hauptstadt geschickt zu werden. Dort wurden diese 24 Tribute in eine Arena geworfen und mussten auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen. Es durfte nur ein einziger Tribut überleben und der oder die wurde reich belohnt und nach Hause zurückgeschickt. Das Volk von Panem schaut zu, wenn die Kinder sich in der Arena umbringen – die im Kapitol mit Begeisterung, die in den Distrikten mit Entsetzen und Trauer. Und das ganze wiederholt sich bereits zum 74ten Mal.

Tödliche Spiele

In Distrikt 12 wird ein 12-jähriges Mädchen ausgelost am Tag der Ernte. Seine Schwester – Katniss Everdeen – meldet sich freiwillig, um die kleine Primrose zu retten. Das erregt erstes Aufsehen im Fernsehen. Mit ihr Kommt Peeta Mellark ins Kapitol. Der Junge, der ihr einst Brot zugeworfen hatte, als sie beinahe am Verhungern war.

Die beiden werden durch die Vorbereitungen geführt und sind schon bald die Stars des Kapitols. Schon bei der Eröffnungsparade sorgen die beiden mit brennenden Kostümen für weitere Furore und schon bald ist Katniss „das Mädchen, das in Flammen steht“. Als dann Peeta vor laufender Kamera seine Liebe zu ihr gesteht, ist das Publikum absolut gefesselt. Dennoch müssen sie am nächsten Tag in die Arena und sich dort auf Leben und Tod bekämpfen…

Gefährliche Liebe

Katniss und Peeta reden kaum mehr miteinander. Ihre Gefühle sind im Widerstreit, denn sie liebt ihren alten Freund Gale und sie liebt Peeta und doch wieder beide auch nicht. Und dann ist da noch das Problem, dass einige im Kapitol – unter ihnen Präsident Snow – ihr nicht abkaufen, dass sie in der Arena einfach nur das verzweifelt verliebte Mädchen war. Und das würde dann Auflehnung gegen das Kapitol bedeuten – etwas, was nie wieder geschehen darf. Aber scheinbar in weiten Teilen von Panem gerade geschieht. Katniss‘ Aktion in der Arena hat den Leuten klargemacht wie fragil das Konstrukt der Nation ist.

Und dann werden die 75ten Hungerspiele angekündigt. Alle 25 Jahre gibt es ganz besondere Spiele und auch diesmal soll es so sein: Die Tribute werden aus den noch lebenden Siegern ausgewählt. Somit ist klar, dass Katniss wieder in die Arena muss, denn in Distrikt 12 gibt es nur eine einzige weibliche Siegerin. Bei der Ernte meldet sich Peeta freiwillig und das „tragische Liebespaar“ muss wieder in die Arena.

Zuerst aber wird noch brav für das Kapitol gespielt: Um die misstrauischen Stimmen im Kapitol zu beruhigen, haben Peeta und Katniss entschlossen, dass sie heiraten müssen. Fotoshootings, Brautkleid und großes Brimborium waren bereits geplant, nun wird es aber stattdessen die Arena werden. Aber schon von Anfang an ist alles anders: Man kennt die Tribute und viele wollen schon vorher mit Katniss ein Bündnis eingehen. Sie ist aber wütend und wie immer absolut undiplomatisch. Zum Glück helfen ihr Peeta und Haymitch, aber wird das reichen?

Flammender Zorn

Distrikt 13 lebt! Und führt die Revolution gegen das Kapitol an! Katniss erwacht in einer neuen Welt. Distrikt 12 existiert nicht mehr – zerbombt vom Kapitol als Rache für ihre Tat in der Arena – und Panem ist im Krieg. Sie erfährt, dass alles von langer Hand geplant war, doch man ihr lieber nichts gesagt hat. Außerdem konnten sie Peeta nicht retten.

Katniss verfällt in eine psychisch sehr labilen Zustand und erst als sie die Möglichkeit sieht Peeta zu retten, taut sie etwas auf. Sie soll das Symbol der Revolution werden. Um Peeta und die anderen gefangenen Tribute zu retten, stimmt sie zu. Aber sie ist eine furchtbare Schauspielerin. Anfangs schaut es nicht so aus als würde das Funktionieren, doch als man Katniss dann direkt in die Kriegsgebiete bringt, bekommt die Filmcrew doch noch gutes Material.

Katniss wird mehrfach verletzt im Krieg und geht durch seelische Untiefen. Als dann Peeta befreit wird und sie zu hassen scheint, bricht für sie vieles zusammen. Nur mehr der Hass auf Präsident Snow hält sie aufrecht. Und dann kommt der Angriff auf das Kapitol.

Rezension

Ich liebe die Geschichte, mir geht Katniss aber auf die Nerven. So könnte man meine Meinung über die Trilogie kurz zusammenfassen.

Die Geschichte, die Idee der Hungerspiele finde ich sehr faszinierend und betrachte es als Stoff mit unglaublich viel Potential. Spannend finde ich auch die gewaltige Diskrepanz zwischen Kapitol und Distrikt 12. Und später die Darstellung von Präsidentin Coin und ihrem absolut geordneten Distrikt 13. Das System der Hungerspiele ist grausam und barbarisch, doch von den Bewohnern des Kapitols – die sich für die Krone der Schöpfung halten – einfach ein tolles Unterhaltungsprogramm. Während in den Distrikten die meisten Leute mit versteinerter Miene vor den Fernsehern sitzen und zusehen (müssen). Das alles finde ich schön ausgearbeitet und herrlich beschrieben und es war mir eine große Freude davon zu lesen.

Hingegen stört mich die Protagonistin. Natürlich hat sie viel durchgemacht, hat Entscheidungsprobleme in Liebesdingen und wäre mehrfach fast umgebracht worden. Das alles erklärt durchaus ihren psychisch stark angeschlagenen Zustand. Dennoch frustriert es immer wieder von Phasen der Zurückgezogenheit zu lesen, von mitunter sehr dummen Entscheidungen und generell von ihrem sehr labilen Verhalten. Suzanne Collins hat sich bei der Ausarbeitung des Charakters von Katniss sicher unglaublich viel Mühe gegeben, aber für mich hätte sie ruhig ein paar Seiten weglassen können.

Das ganze wird natürlich noch dadurch verstärkt, dass die Bücher aus der Sicht von Katniss Everdeen geschrieben sind. Wären sie aus der Beobachtersicht geschrieben, wären da manche Gefühle vielleicht nicht so nervig rübergekommen.

Die deutschen Hörbücher wurden von Maria Koschny gelesen, die auch die deutsche Synchronstimme von Jennifer Lawrence in den Filmen war. Die Leseleistung fand ich super und sie hat auch die positiven wie negativen Gefühle mit ihrer Stimme gut rübergebracht.

Alles in allem finde ich die Trilogie eines der gelungensten Werke der letzten Jahre und spannend zum Lesen. Trotz „Gejammers“ der Protagonistin empfehle ich die Bücher allen. Und vielleicht gefällt euch ja gerade diese für mich anstrengende Charakterdarstellung von Katniss Everdeen, dem „Mädchen, das in Flammen steht“.