DOORS

Von Markus Heitz

Die  neue Fantasy-SciFi-Abenteuer-Reihe von Markus Heitz erschien im Herbst 2018 und eine zweite Staffel wird diesen Sommer erscheinen. Die Einteilung in ein Genre fällt mir hier schwer, weil es unterschiedliche Aspekte der diversen Genres anspricht.

Es geht in dieser Reihe um die nicht unbedingt neue Idee von Portalen, die überall hinführen können oder ins Nichts. Eine Gruppe von Spezialisten macht sich (unfreiwillig) auf den Weg in dieses Netz aus Portalen und Welten, um eine vermisste Frau zu suchen.

Die erste Reihe begeistert vor allem dadurch, dass man nach „DOORS – Der Beginn“ selber wählen kann, durch welches Portal die Protagonisten gehen. So hat man mit den drei Romanen „Blutfeld“, „Dämmerung“ und „Die Kolonie“ immer den gleichen Ausgangspunkt, aber wie es weitergeht, hängt davon ab, durch welche Tür die Spezialisten gehen.

Ich habe die Serie wie immer auf Audible gehört und bin da sehr zufrieden mit der Leistung: „DOORS – Der Beginn“ ist als Gratis-Hörspiel online und die drei Romane kosten dann alle nur ein halbes Guthaben.

Ich habe mir natürlich alle drei Geschichten angehört und bin recht begeistert von der (vermutlich) realistischen Darstellung mancher Gegebenheiten. Und natürlich fasziniert mich die Situation mit den drei möglichen Wegen. Als erfahrener Spielleiter von Pen&Paper-Rollenspielen kommt mir die Situation recht vertraut vor. „Nehmt diese Tür und es passiert folgendes; Nehmt die andere und es passiert jenes…“

Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzungen und hoffe, dass die Zweite Staffel auch so spannend wird. Zur Überbrückung hab ich auf Audible einige ganz kurze Hörspiele entdeckt, die unter dem Begriff „DOORS – Kurzgeschichten“ veröffentlicht wurden.
Nachfolgend werden die aktuellen (Frühjahr 2019) Romane kurz beschrieben. Diese Texte enthalten gezwungenermaßen Spoiler!

DOORS – Der Beginn

Dieser kurze Einstieg beschreibt wie die Protagonisten am Flughafen von Frankfurt aufeinandertreffen und danach ihren Auftrag erhalten und antreten. Gleich von diesem Punkt aus zeichnet der Autor sechs sehr unterschiedliche, aber vollkommen nachvollziehbare Charaktere. Und schnell bemerkt man, dass alle ihre Geheimnisse in diese Mission mitbringen.

Sie suchen die Tochter eines reichen Mannes in bzw. unter einer alten Villa mitten in den deutschen Wäldern. Unter der Villa befindet sich ein (angeblich) unerforschtes Höhlensystem und eine Halle mit fünf seltsamen Toren. Auf diese Tore sind mit Lippenstift ein „X“, ein „!“ und drei „?“ aufgemalt. Die Gruppe ist fasziniert von den Toren, denn diese scheinen Antworten auf Fragen der Wissenschaft und der Mystik bereit zu halten.

Es geschehen einige seltsame Dinge in den Höhlen und allen Beteiligten wird relativ bald klar, dass das keine normale „Such und Berge“-Mission ist. Schließlich stehen sie vor den Toren und sollten eine Entscheidung treffen, ob sie umkehren, das Höhlensystem weiter erkunden oder eine der Türen durchschreiten. Die Spuren der vermissten Frau deuten auf die Türen, doch leider nicht eindeutig auf eine, sondern aus verschiedenen Gründen kommen drei in Frage.

An dieser Stelle endet die Geschichte vorerst und man kann sich selber entscheiden welche Tür man nimmt, indem man im entsprechenden Roman weiterliest. Jeder Roman erzählt eigentlich die selbe Geschichte, nur eben komplett unterschiedlich.

DOORS ! – Blutfeld

Die Gruppe entscheidet sich für diese Tür und kommt auf einem Schlachtfeld heraus. Doch es ist kein modernes Schlachtfeld, sondern ein mittelalterliches. Rund um sie liegen Leichen in mittelalterlicher Kleidung mit der entsprechenden Bewaffnung. Zuerst vermuteten sie in einem Reenactment-Stück oder auf einem Filmsetting herausgekommen zu sein, doch schon bald merken sie, dass sie wahrlich in einer Epoche des Frühmittelalters angekommen sind.

Dieses Frühmittelalter ist aber nicht so, wie sie es aus dem Geschichtsunterricht kennen. Bald entdecken sie einige Besonderheiten und dazu noch eine große Armee, die nicht weit entfernt lagert. Als dann auch noch ihr Türrahmen für den Rückweg zerstört wird, sind sie vorerst einmal gestrandet und müssen sich irgendwie arrangieren. Erst dann können sie neue Tore finden, denn anscheinend gibt es davon recht viele auf der Welt.

Aufgrund meiner Begeisterung für Fantasy und mittelalterliche Settings hat mir dieser der drei Bände am besten gefallen. Mir gefällt das etwas kitschige Ende genauso wie diese mittelalterlichen Besonderheiten, die der Autor hier erfunden hat. Dass er dabei auch durchaus auch bereit ist, seine Protagonisten sterben zu lassen, verleiht dem Roman eine gewisse Logik und Tiefe.

DOORS X – Dämmerung

In dieser Version der Geschichte gehen die Abenteurer erst einmal gar nicht komplett durch ein Tor. Sie teilen sich auf und es wird ein wenig unübersichtlich. Als dann einige schließlich doch durch ein Tor gehen, landen diese in einem Near-Future-Setting.

So wie das Mittelalter im ersten Roman, hat auch dieses Szenario hier einige sehr interessante Besonderheiten. Und ebenso schnell werden die Charaktere in laufende Intrigen und Komplotte verwickelt.

Ich muss gestehen, dass abgesehen von dem Near-Future-Setting mir dieser Roman am wenigsten gefallen hat. Er war eher sehr vorhersehbar und auch das ganze Komplott war meines Erachtens etwas übertrieben.

DOORS ? – Die Kolonie

Diese Version der Geschichte ist die düsterste. Man möge meinen, dass das Frühmittelalter wohl düster genug wäre, doch bei „Die Kolonie“ kommen die Gefährten durch eine Tür in eine alternative Zeitlinie ihrer eigenen Welt. Und das im Jahre 1944. In dieser Alternativ-Welt hat das Staufenberg-Attentat auf Hitler funktioniert, die Deutschen danach kapituliert und die Alliierten sich danach entzweit. Und so steht Deutschland in dieser Geschichte unter englischer und amerikanischer Besatzung, während im Osten Krieg gegen Stalins Sowjetunion geführt wird.

Dieses Buch ist brutaler als die vorhergehenden, es sterben viele Protagonisten und das Bild, welches von dieser alternativen Welt gezeichnet wird, ist äußerst dunkel und farblos. Doch genau das macht irgendwie den Reiz aus. Und als man dann plötzlich von Atomsprengköpfen und Langstreckenraketen liest, fühlt man sich an die heutige Zeit und aktuelle militärische Diskussionen erinnert. Außerdem wissen die Protagonisten, die durch die Tür kamen, was in unserer Welt mit Nagasaki und Hiroshima geschah. Ich bin zwar kein Fan von Weltkriegsthemen, aber dieser alternative „Krieg“ hat mich durchaus in seinen Bann gezogen.