Draconis Memoria

Von Anthony Ryan

Die beiden ersten Bücher der Trilogie Draconis Memoria sind mir kürzlich untergekommen. Da ich vom Autor Anthony Ryan bereits die Rabenschatten-Trilogie kannte, hatte ich mir auch von den beiden Büchern „Das Erwachen des Feuers“ und „Das Heer des weißen Drachen“ hochwertige Fantasy erwartet. Ich wurde jedoch von einer Fantasy-Steampunk-Mischung überrascht.

Und diese Überraschung war sehr gelungen. Ryan erschafft eine sehr interessante und vielschichtige Welt mit sehr interessanten und innovativen Gesellschaftsstrukturen. So werden in dieser Welt Monarchien als veraltet betrachtet und werden dem eigentlichen Zweck des Menschseins untergeordnet. Und dieser Zweck ist der Profit. So denken zumindest die Angehörigen der Unternehmen. Das alte Kaiserreich sieht das natürlich anders.

Das Unternehmenszeitalter hat eine industrielle Revolution eingeleitet. Dampfschiffe und Eisenbahnen haben Segelschiffe und Pferdekarren abgelöst. Gewehre und Pistolen ersetzten Pfeil und Bogen. Doch sind Klingenwaffen immer noch in Verwendung, denn es gibt noch keine Repetiermechanismen. In dieser fortschrittlichen Zeit sind die Unternehmen natürlich am Gewinn und dem langfristigen Erhalt ihres Gewinns interessiert. Doch das wichtigste Handelsgut wird langsam rar. Das „Produkt“ wird immer weniger, denn die Quelle des „Produkts“ stirbt aus.

Diese Quelle sind Drachen auf einem zum Großteil unerforschten Kontinent mit deformierten und wilden Einheimischen. Diese Einheimischen machen Jagd auf Fremde und auf Drachen.  Die Fremden haben an den Küsten Städte gebaut und machen ebenfalls Jagd auf Drachen. Denn das Blut der Drachen kann von den sogenannten „Blutgesegneten“ für alle möglichen Effekte verwendet werden. Sei es nun ob im Kampf einen Gegner festzuhalten oder zur Heilung oder zur Kommunikation oder zum Befeuern eines neuartigen Schiffmotors, die Blutgesegneten vermögen es. Zumindest solange sie das aus Drachenblut gewonnene „Produkt“ zur Verfügung haben.

In dieser faszinierenden Welt wird die Geschichte von einigen sehr unterschiedlichen Personen erzählt. Da ist zum einen Lysan, eine Blutgesegnete und Agentin des Eisenboot-Syndikats. Sie arbeitet als Spionin und Auftragsmörderin für ihr Unternehmen. Dann gibt es noch Clay, den unregistrierten Blutgesegneten, der unfreiwillig auf eine Mission geschickt wird. Neben einem Offizier der Marine, taucht später auch noch der Sohn eines Gelehrten und Rebellen auf. Diese vier Personen werden Geheimnisse lüften und Entscheidungen treffen, die entscheidend sein können. Entscheidend für den Fortbestand einer ganzen Spezies.

Ich habe die beiden Bücher in der Hörbuchversion von Audible gehört und bin von der Geschichte voll begeistert. Auch die Übersetzung finde ich recht gelungen und der Sprecher (Detlef Bierstett) weiß was er tut. Nur die vielen Fachbegriffe bei den Schusswaffen haben dafür gesorgt, dass ich öfters mal auf Pause stellte und Google konsultierte.

Ich hoffe der dritte Band kommt bald und empfehle diese Reihe jedem, der Fantasy und/oder Steampunk mag.


Jänner 2020

Band 3: Imperium  aus Asche

Nun endlich, im Jänner 2020 erschien der dritte Band der Trilogie und hat dem Leser wieder ein gewaltiges Erlebnis geboten. Die Geschichte geht weiter und es bleibt bei den vier Hauptpersonen. Der Krieg spitzt sich zu, die Drachen und Verderbten haben ihren Heimatkontinent verlassen und stürzen sich nun auf die „Unternehmenswelt“. Inzwischen ist das Kaiserreich untergegangen und Clay hat neue Fähigkeiten erlernt.

Die Trilogie endet in einer gewaltigen Schlacht mit einem zu diesem Zeitpunkt sehr vorhersehbaren Ende. Nichtsdestotrotz macht es Spaß den Handlungen der Protagonisten zu folgen. Mein einziges Manko an der Trilogie ist die immer wiederkehrende Darstellung von Kämpfen. Natürlich, die Welt liegt im Krieg und überall wird gekämpft, doch die immer wiederkehrenden detaillierten Darstellungen von Kämpfen hat mich eher gelangweilt als fasziniert.

Auch im dritten Band liefert Detlef Bierstett wieder ausgezeichnete Qualität ab und verleiht dem Buch mit seiner Stimme Leben. Ich bleibe bei meiner Meinung vom letzten Jahr und empfehle jedem diese Trilogie zu lesen.