Eisraben Chroniken

By Richard Schwartz

Vor wenigen Tagen hatte ich die Lytar-Chronik von Richard Schwartz fertiggelesen und eine wenig begeisterte Rezension geschrieben. Trotzdem habe ich mich entschieden gleich nach dieser Enttäuschung noch etwas vom selben Autor zu lesen. Und so las ich die beiden Romane „Fluchbrecher“ und „Monsterjäger“. Diese ergeben zusammen die Eisraben Chroniken. Ein weiteres Buch mit dem Titel „Invasion“ wird im Mai 2020 erscheinen.

Bei Lytar habe ich mich darüber beschwert, dass sich die Geschichte immer mehr auf eine einzelne Person fokussiert hat. Dass aus einer Geschichte über eine Gruppe eine Geschichte geworden ist, die sich nur um einen einzelnen Charakter dreht. Da fand ich es irgendwie überraschend und passend, als ich feststellte, dass die Eisraben Chroniken aus der Ich-Perspektive geschrieben sind.

Die Protagonistin ist eine ehemalige Hubschrauberpilotin, die seit einem Unfall schwer gelähmt ist und seit vielen Jahren ein medizinischer Pflegefall ist. Als sich ihre Werte zu verschlechtern beginnen, tritt ein Wissenschaftler an sie heran. Sie hätten ein neues Verfahren und das müsste getestet werden: Ihr Körper würde in einen Tank gesteckt und am Leben gehalten, ihr Geist hingegen würde über eine neuronale Brücke in ein Videospiel transferiert werden. Denn wenn ihr Geist voll aktiv ist, ihr Körper voll ruhig ist, dann könnten sich ihre Zellen regenerieren. Und so betritt Alexandra Eisrabe die MMO-Welt von Vorena Online.

Das Thema ist nicht neu, die Herangehensweise von Richard Schwartz ebenfalls nicht. Aber wieder schafft er es eine spannende Geschichte zu erzählen. Auch wenn ich wieder einige Beanstandungen habe.

Zuerst einmal wieder: Der Autor benötigt einen Lektor! Wieder kommen Fehler vor, die bei sinnvollem Lesen nicht vorgekommen wären. Das sind wieder falsche Namen, diesmal aber auch Änderungen in den Statistiken oder Fehler beim „Aufleveln“. Den Statistiken, dem Aufleveln und den Zahlen wird große Aufmerksamkeit geschenkt, da sollten die Zahlen dann auch stimmen. Da hat ein NSC eine Stufe über 100, aber bald darauf hat er diese Stufe nicht und es wird ausführlich erklärt wie wichtig der Schwellenwert 100 ist – um nur ein Beispiel zu nennen.

Wie schon bei Lytar habe ich auch bei den Eisraben Chroniken das Gefühl, dass sich die Geschichte nicht nach einem Konzept entwickelt hat, sondern einfach mal hierhin und mal dorthin gewandert ist. Die Handlungen hätte man um unwichtiges kürzen können und sich somit ein ganzes Buch sparen können. Aber genau hierbei gibt es einen interessanten Aspekt. Ich habe früher selber viele Rollenspiele (online und Single-Player) gespielt und weiß daher, dass man immer unzählige Side-Quests macht, bevor man mit der Hauptstory weitermacht. Genau das passiert in den Romanen ebenfalls, ob das gewollt war, kann ich aber nicht sagen.

Zuletzt gibt es noch eine Rahmenhandlung rund um das Geschehen im Spiel. Wie so vieles bei Richard Schwartz wird hier ein bekanntes Klischee bemüht. Ich bin mir aktuell noch nicht sicher was ich davon halten soll, hoffe aber, dass der dritte Band hier ein wenig Aufschluss geben wird.

Wie schon eingangs erwähnt, schafft es die Geschichte trotz dieser Beanstandungen zu fesseln. Dazu kommt eine herrliche Welt und ein interessantes Spiel. Als ehemaliger MMO-Spieler würde mir das Spiel in den Romanen sehr gut gefallen.
Was ich auch sehr interessant gefunden habe, ist die Interaktion zwischen Spielern. Es gibt Gruppen, Freunde, die gemeinsam spielen, Gilden und die obligatorischen „Trolls“. Vieles davon kennt man als Spieler und ist in den Romanen gut dargestellt.

Wenn man Fantasyromane und Fantasy-MMOs mag, dann sollte man die Eisraben Chroniken unbedingt lesen. Ich hoffe, dass bald nach der Romanveröffentlichung im Mai auch die Hörbuch Version veröffentlicht wird, damit ich die Geschichte weiterverfolgen kann.