Rollenspiel mit Sehbehinderung

Rollenspiel mit Sehbehinderung

Seit meiner Geburt habe ich schlechte Augen. Das liegt an der Erbkrankheit Retinitis Pigmentosa. Diese sorgt dafür, dass meine Netzhaut langsam – manchmal auch in schnellen Schüben – stirbt, einfach ausgedrückt. Im Winter 2015/2016 hatte ich einen solchen Schub. Damals verlor ich innerhalb von wenigen Monaten so viel Sehkraft, dass ich danach beinahe blind war. In den Jahren seitdem hat sich das noch weiter verschlechtert. Das hat natürlich mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Viele Hobbies konnte ich nicht mehr machen, meinen Job konnte ich nicht mehr ausüben und in vielen Bereichen meines Lebens musste ich Änderungen vornehmen. Natürlich betraf das auch mein Lieblingshobby: das Rollenspiel. Mit diesem Text möchte ich aufzeigen, was sich verändert hat und welche Strategien ich entwickelt habe, damit ich auch heute noch spielen und leiten kann. Ich werde auf Hilfsmittel hinweisen und auch aufzeigen, wo man Abstriche machen muss.

Meine Sehbehinderung

Zuerst einmal möchte ich euch ein Gefühl dafür vermitteln, was ich noch sehen kann. Ich kann den Unterschied zwischen Hell und Dunkel noch unterscheiden. Wenn ich die Lichtbedingungen und die Kontraste kontrollieren kann, dann kann ich es mir einrichten, dass ich noch manche Linien erkenne. Ich erkenne keine klaren Formen, sondern sehe Dinge meist verschwommen. Also wenn ich unter gutem Licht eine gelbe Kartoffel auf einem schwarzen Brett schneide, dann erkenne ich so halbwegs was ich da tue. Aber ich habe keine Chance mit meinen Augen dafür zu sorgen, dass die Kartoffelstücke gleich groß sind. Wenn ich nach draußen gehe, brauche ich Sonnenbrillen, denn die Sonne blendet mich so stark, dass ich nur weiß sehe. Mit Sonnenbrille erkenne ich grobe Umrisse und aus kurzer Entfernung Bodenmarkierungen. Die Kontrastfarbe in diesen Markierungen hilft bei Tag und bei Nacht zB Schutzwege zu erkennen. Aber ohne Blindenstock kann ich nirgends mehr hingehen.

Stellt euch vor ihr geht einkaufen und steht vor dem Süßigkeitenregal. Ihr wisst, dass vor euch Kekse sind. Leibnitz Butterkekse haben eine gelbe längliche Packung. An einem guten Tag kann ich vielleicht eine gelbe längliche Packung vor mir erkennen. Aber sind das jetzt die Kekse mit Schokolade, oder die ohne? Sind das jetzt wirklich die richtigen Kekse oder hat eine andere Marke eine ähnliche Farbe? Ohne Hilfe ist das für mich nicht mehr zu schaffen.

Dasselbe gilt für Briefe, Bücher, Zeitungen und vor allem für Bilder. Selbst schwarzweiß Bilder sind für mich nicht mehr erkennbar, außer sie haben ganz wenige Details. Ihr könnt euch vorstellen, dass das gerade in der heutigen Zeit im Rollenspiel sehr schwierig ist. Denn viele Leute zeigen einfach kurz ein Bild, anstatt etwas zu beschreiben, oder legen eine Karte auf den VTT und sagen nichts dazu. Auch hier musste ich meine Wege und Strategien finden, doch hier muss ich auch die meisten Abstriche machen.

Wie schon erwähnt erkenne ich hohe Kontraste. Doch in seinem Umfeld hat man kaum hohe Kontraste. Ich habe mir rote Teller besorgt, weil helles oder dunkles Essen darauf für mich zumindest so weit erkennbar ist, dass ich weiß, wo ich die Gabel ansetze. Draußen habe ich keine Möglichkeit die Kontraste zu kontrollieren, im Haushalt begrenzt, am Computer hingegen kann ich das sehr wohl. Und so ist der PC für mich das Tor zur Welt geworden. Dank Hohen Kontrast Modus kann ich hier vor dem PC sitzen und sehe sogar was ich schreibe. Ich kann es sogar lesen, wobei der Text so lang ist, dass ich Schwierigkeiten damit habe, weil es anstrengend ist.

Digitales Zeitalter

Mein PC läuft mit Windows 10. Dort gibt es den Hohen Kontrast als Voreinstellung. Man kann sich aussuchen, ob der Hintergrund weiß oder schwarz sein soll. Für meine Augen ist ein schwarzer Hintergrund und weiße Schrift optimal. Mit dieser Einstellung wird diese Anzeigeform in alles von Microsoft übertragen. So habe ich hier vor mir einen schwarzen Hintergrund und weiße Schrift im Word, auch Tabellen im Excel kann ich so bearbeiten. Auch das Zeichenprogram Paint übernimmt diese Anzeige.

Für mich am wichtigsten ist aber, dass Microsoft Edge den Modus übernimmt. Manche Seiten brauchen dadurch länger zum Laden, doch das nehme ich gerne in Kauf. Denn immerhin kann ich so Facebook, Twitter, Roll20, WordPress, Discord und viele weitere Seiten bedienen.

Neben diesem Kontrastmodus habe ich aber auch noch zwei Programme, die mir viel helfen. Zum einen verwende ich  „Zoomtext Magnifier Reader“. Dieses Programm ermöglicht es mir Farben zu verändern. Damit kann ich zB im Acrobat Reader mir eine PDF in meinem bevorzugten Farbschema anzeigen lassen. Es ermöglicht mir auch den Mauszeiger und den Cursor größer darstellen zu lassen als Windows das ermöglichen würde. Dabei kann ich auf alle Farben, Größen und sogar spezielle Markierungen zurückgreifen. Aber das wichtigste an dem Programm ist, dass es ein Screen Reader ist und mir Dinge vorliest. Wenn ich mit diesem Text fertig bin, dann drücke ich eine Tastenkombination und es wird mir den Text vorlesen. Wann immer ich einen Fehler höre, klicke ich mit der rechten Maustaste und der Cursor ist genau an der Stelle die zuletzt vorgelesen wurde. Ich bessere den Fehler aus und weiter geht es per Tastenkombination.

Zum anderen verwende ich Abby Fine Reader zum Umwandeln von PDFs in Worddateien. Oft genug habe ich PDFs gekauft, die mir der Screenreader dann nicht vorlesen konnte. Das liegt am Layout habe ich mal gehört, doch kenne ich mich damit nicht aus. Ich weiß nur, dass Bücher aus einer bestimmten Reihe (zB DSA5 Regelbücher) manchmal als PDF vorgelesen werden können, manchmal nicht. Da ich mich im Word mittlerweile ein wenig auskenne und die Navigation hier feiner finde als in einem PDF-Viewer, wandle ich alle PDFs mittels Abbey Fine Reader in Word Dokumente um.

Wie ihr euch schon denken könnt, kaufe ich mir keine echten Bücher mehr – naja meistens nicht. Ich besorge mir für meine Systeme immer die PDFs, wandle sie in Word Dokumente um und lasse sie mir vorlesen. So lerne ich die Regeln oder schlage Monster nach.
Eine feine Alternative dazu sind Onlineanbieter, die die Bücher interaktiv haben. So verwende ich seit 2016 das Kompendium von Roll20. Dort habe ich mir auch schon alle Regelbücher für D&D gekauft und kann mich nun durch die einzelnen Kapitel der Bücher klicken und auch hier mir die Texte vorlesen lassen. Roll20 hat seit kurzem sogar Bildunterschriften eingefügt. Das finde ich sehr schön, denn Bilder erkenne ich ja keine mehr. Das funktioniert aber nicht mit allen Seiten. Ich kann zB DnD Beyond nur schwer nutzen. Der Hohe Kontrast funktioniert hier nicht richtig und die Anzeige tut in den Augen weh. Ich kann es im Chrome öffnen und mittels Zoomtext die Farben verändern, das funktioniert zwar, ist aber nicht so schön und klar wie der Hohe Kontrast Modus von Windows.

Zuletzt hilft mir noch ein anderes kleines Hilfsmittel. Eine elektronische Lupe mit Farbveränderung und Vergrößerung. Diese Teile sind zwar recht teuer – wie alle Hilfsmittel – aber auch sehr nützlich. Ich habe einen großen Stapel Battlemaps, die ich selber eigentlich nicht mehr erkenne. Aber meine Spieler lieben sie. Wenn ich also einen Kampf auf einer Battlemap vorbereite, nehme ich die Lupe und kann dadurch die Titel auf den Battlemaps anschauen. So finde ich die richtige Battlemap für die nächste Session.

Spielen am Tisch

Früher habe ich auch unzählige Zettel, viele Bücher und massenweise Würfel zum Rollenspiel mitgebracht. Ob nun als SL oder Spieler war da egal. Heute habe ich nur mehr ein Rollup und meinen Laptop dabei. Am Laptop habe ich digital in Schwarzweiß – wie oben beschrieben – mir selber einen Charakterbogen geschrieben oder eben meine Planung als Word Dokumente.

Ich habe lange Zeit auch digital gewürfelt. Man muss nur die unzähligen Würfelapps für den Computer oder für das Smartphone durcharbeiten, irgendwann findet man eine, die man trotz Sehbehinderung erkennen kann. Bei Sprachausgabe am Handy, kann man sich in manchen Apps das Würfelergebnis sogar vorlesen lassen. Ich habe eine einfache Schwarzweiß App mit großen Zahlen entdeckt und verwendet. Dann aber fand ich in einem lokalen Geschäft einen großen W20. Der hat einen Durchmesser von über 3 Zentimetern und ist schwarz mit weißen Ziffern. Dazu passend habe ich auch noch zwei W6 in derselben Größe entdeckt. Das allein würde mir noch nicht reichen, weil mir das Licht fehlt. Ich brauche meist auch eine große kontrollierbare Menge Licht – eine gute Wohnzimmerlanpe ist meist zu wenig. So besorgte ich mir eine Würfelarena und eine biegsame USB-LED-Lampe. Somit steckt nun immer beim Spielen in einem USB-Port meines Laptops diese biegsame kleine Lampe. Ihr Licht fällt genau in die kleine Würfelarena. Und genau da drin würfel ich nun und erkenne – gerade noch – das Ergebnis.

Das funktioniert aber nur mit den beiden Würfeln. Bei D&D bin ich als DM schon lange dazu übergegangen bei Monstern einfach immer den Durchschnittschaden zu nehmen. Das ist nicht nur einfacher, sondern verkürzt auch die Zeit, die zB ein Kampf braucht. Eine andere Möglichkeit ist es einfach offen am Tisch zu würfeln und sich die Würfel von den Spielern vorlesen zu lassen.

Alternativ gibt es auch Braille Würfel, also Würfel mit den Ziffern in der Blindenschrift. Ich habe welche daheim, verwende sie aber (noch) nicht. An diese muss man sich gewöhnen. Und natürlich muss man das Braille-Alphabet dafür lernen.

Wie schon oben erwähnt verwende ich Battlemaps. Ich habe mir bereits über 40 der Pathfinder Flip Mats von Paizo gekauft, denn die gefallen mir sehr gut und sind preislich erschwinglich. Immer wenn ich eine neue Battlemap bekomme, bitte ich jemanden aus meinem Freundeskreis mir die Maps detailliert zu erklären. Diese Erklärung schreibe ich dann mit. So weiß ich auch nach drei Jahren noch, was auf der „Elemental Planes“ Map alles zu sehen ist.

Ich besitze auch einige Miniaturen. Um diese zu unterscheiden, habe ich mir ein Lagersystem überlegt: Diese Minis werden dort aufbewahrt, jene da. So weiß ich immer wo meine Untoten sind oder wo die Zwerge umgehen. Wir nehmen es in unseren Runden dann nicht so genau. Wenn die Zwerge im Spiel Axt und Schild tragen, die Minis aber Zweihandäxte, dann stört uns das nicht.

Die Battlemap bedienen dann beim Spiel meine Spieler. Ich sage ihnen was ich möchte und sie setzen die Miniaturen entsprechend. Vorab wird kurz die Battlemap besprochen, damit wir alle von den gleichen Himmelsrichtungen ausgehen und alle dasselbe in den Bildern „sehen“.

Online Spielen

Seit Corona habe ich begonnen auch Online zu spielen. Anfangs habe ich nur meine laufenden Runden über Discord weitergeführt. Dank einigen netten Leuten in der Community hat sich Discord mir sehr schnell erschlossen und so konnten wir ohne Terminverlust trotz Lockdown weiterspielen. Da es hier dann immer nur ein Würfelergebnis zu lesen galt, half mir allein schon der Hohe Kontrast Modus für die feine Bedienung. Wenn dann doch irgendwo mal längere Texte kamen, dann half der Screenreader aus.

Aber 2020 begann ich auch auf Roll20 und später auch auf Foundry und Fantasy Grounds zu spielen.

Roll20:
Windows, Hoher Kontrast, Edge – damit komme ich in Roll20 gut klar. Battlemaps erkenne ich natürlich nicht und muss da die Steuerung meines Tokens dem DM oder anderen Spielern überlassen, aber ich kann meinen Charakterbogen bedienen und erkenne die Ergebnisse im Chat.
Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass ich mit Roll20 richtig gut zurechtkam und begann dann sogar selber eine Online-Kampagne über Roll20 zu leiten. Der Screenreader kann zum Glück auch englisch und kann mir Zauber, Fähigkeiten usw. vorlesen, was mir wieder sehr hilft. Der Hohe Kontrast Modus funktioniert am besten, wenn man zB Monster-Charakterbögen in einem eigenen Fenster öffnet. Dann werden sie in mein Schwarzweiß konvertiert und sind für mich somit zugänglicher als wie, wenn ich sie im Spiel klein offen habe.
Meine Battlemaps in dieser Kampagne bestehen meist aus schwarzen oder grauen Flächen. Da drauf bilden die Tokens einen Kontrast, so dass ich die Tokens finde. Die Bilder der Tokens erkenne ich nicht und auch ihre Namensleiste kann ich nicht lesen, aber ein Doppelklick drauf genügt und ich weiß womit ich es zu tun habe.

Foundry:
Bei Foundry bin ich zwiegespalten: Bei Abenteuer in Mittelerde, Numenera, Savage Worlds und Pathfinder hatte ich große Probleme mit den Charakterbögen. Denn Foundry übernimmt den Kontrastmodus von Edge nicht. Bei manchen Dingen konnte ich mit den Einstellungen noch nachhelfen. So konnte ich bei AiME die Farben des Chats verändern und so zumindest die Würfelergebnisse gut erkennen, aber der Charakterbogen war eine Tortur.
Hingegen spiele ich auch Star Wars von FFG über Foundry und da ist die Darstellung für mich perfekt. Alles hat schwarze Hintergründe, die Schrift ist weiß. Die einzelnen Würfel bei Star Wars haben zwar Farben, aber es steht immer die Bezeichnung des Würfels dabei, somit kein Problem für mich, denn die Farben würde ich nicht immer erkennen. Und das Würfelergebnis wird grafisch und mit Text dargestellt.

Fantasy Grounds:
Vor kurzem habe ich als Spieler auf Fantasy Grounds begonnen und der DM hat zusammen mit mir nach Themes gesucht, damit ich mit dem Programm arbeiten kann. Und er fand „Hearth“, ein Theme speziell für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Das Theme ist nicht besonders schön, aber ich kann damit meinen Charakter bedienen, den Combat Tracker bedienen und sogar ein wenig auf den Battlemaps navigieren.

Die Schattenseite

Diese ganzen Strategien und Hilfsmittel helfen mir und vermutlich auch vielen anderen beim Rollenspiel. Sie ermöglichen mir das Leiten, Spielen und sogar das Schreiben und Veröffentlichen von Abenteuern. Aber natürlich funktioniert nicht alles.

Wie schon erwähnt kann ich keine Bilder erkennen. Damit geht hin und wieder etwas verloren. So las ich vor kurzem eine Monsterbeschreibung und beschrieb das Monster dann auch meinen Spielern. Weil bei der Beschreibung ein Bild dabei war, teilte ich das Bild mit den Spielern. Sofort kam die Frage: „Hat der vier Angriffe?“ Ich war irritiert. Warum denn vier Angriffe? Das Bild stellte das Monster mit vier Armen und Waffen dar und daher kam die Frage des Spielers. Im Text stand leider nichts von vier Armen. So habe ich sogar als Spielleiter gelegentlich Probleme mit Bildern.

So eine Karte kann ich gerade noch erkennen, wenn ich sie mir richtig groß anzeigen lasse

Als Spieler ist das natürlich ungemein schwerer. Viele meiner SLs verwenden Bilder und teilen diese auch gern. Manchmal denken sie daran, doch oft genug muss ich dann nachfragen, damit ich eine Beschreibung bekomme. Dasselbe passiert bei Battlemaps oder Maps von Orten. Ich erinnre mich an eine meiner ersten online Sessions: Da hat der DM eine Map von einem Ort auf den VTT gelegt. Ein Spieler begann darauf herumzurennen und der DM begann mit ihm zu reden. Doch mir fehlte da irgendwo etwas. Auf meine Nachfrage stellte sich heraus, dass der Spieler kommentarlos den Ort erkundet hat und der Spielleiter als Schmied mit ihm zu reden begonnen hatte. Ich wusste nicht einmal, dass es eine Schmiede gab.

Natürlich sind das nur zu anfangs Schwierigkeiten. Bis jetzt bin ich noch auf keinen DM gestoßen, der da nicht Rücksicht genommen hat und sich beim Beschreiben Mühe gegeben hat. Aber für viele war das ein kleiner Lernprozess.

Das ist einer der Gründe, warum ich zB nie auf Cons spiele. Ich weiß nie im Vorhinein wie der SL mit meiner Sehbehinderung umgehen wird/kann, ob ich nicht die ganze Gruppe aufhalte, weil ich zB den Charakterbogen nicht erkenne oder ob ich überhaupt mit der Darstellung im VTT klarkomme. Wenn ich da an meine erste Pathfinder-Session über Foundry zurückdenke: wäre das ein oneshot gewesen, hätte ich die Gruppe gleich zu Beginn wieder verlassen, weil ich zu große Schwierigkeiten mit der Darstellung hatte. Und bei einem Oneshot auf einer Con würde das schon sehr aufhalten und vielleicht auch den Zeitrahmen sprengen.

Die letzte große Schattenseite kommt erst noch. Wenn ich eines Tages endgültig erblinde oder zumindest so wenig sehe, dass mir auch der hohe Kontrast nichts mehr hilft, dann wird das alles viel schwieriger. Das Spielen am Tisch wird im Freundeskreis noch funktionieren, aber online stelle ich mir sehr schwierig vor. Wirklich blinde Leute bedienen ihren PC über Tastenkombinationen, indem sie von Punkt zu Punkt springen. Ich stelle mir gerade vor, bei einem DSA Charakterbogen von Punkt zu Punkt zu springen. Bis ich dort bin, wo ich hinwill, ist die Session vorbei. Außerdem benötigt es dafür Charakterbögen und VTTs, die alles als anwählbare Punkte haben. Mit meiner Software „Zoomtext“ wäre mir eine blinde Bedienung von Roll20 VTT nicht möglich, weil es zB das Notizbuch oder den Chat nicht als einzelne Punkte wahrnimmt. Es mag sein, dass bessere Screenreader oder Module/Plugins für die VTTs helfen können, doch solche sind mir noch nicht bekannt. Aber wer weiß, was noch alles kommt?

Die helle Seite

Ganz am Ende möchte ich noch erwähnen, was mir am meisten hilft beim Rollenspiel: Freunde und Mitspieler, die sich darauf einlassen und helfen. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich meine Freunde schon gebeten habe mir ein Bild zu beschreiben oder mir zu erklären was man auf der neuen Battlemap sieht. Da kommen oft auch seltsame Fragen. Zum Beispiel war ich letztes Jahr mit einer Freundin eine Burgruine „besichtigen“. Ich habe dort den alten Wehrturm betastet und war von der Mauerdicke beeindruckt. Dann habe ich meine Freundin gebeten mir doch die Abmessungen des Turms zu sagen. Das ist gar nicht so leicht, denn wer ist schon richtig gut in sowas. Sie hat es gelöst, indem sie Google fragte. Und so stand ich vor dem Turm – eine graue Masse umgeben von dunklem Grün – und wusste nun, wie groß der war. Schon ganz automatisch habe ich die Angaben in Fuß umgerechnet 😊 Es sind solche Gefälligkeiten, die es mir ermöglichen weiterzumachen und dafür bin ich unendlich dankbar.

Auch den Spielern, die mir immer helfen, indem sie zB meinen Token verschieben und den SLs, die sich auf diese Komplikation einlassen, möchte ich danken. Ohne sie könnte ich meinem Hobby nicht mehr nachgehen.