The Girl with Ghost Eyes

Von M. H. Boroson

Der 2015 erschienene englisch-sprachige Roman von M. H. Boroson gehört in das Genre der Wuxia-Romane, obwohl er ausnahmsweise nicht in einem historischen (oder fiktiven) China spielt, sondern in San Francisco im Jahre 1898.

Li-lin, die Tochter eines Daoshi (Exorzist aus der Maoshan Tradition des Daoismus), gerät in große Gefahr, als jemand versucht ihren Vater zu ermorden. Die junge Frau wird anfangs von den Feinden des Vaters nur ignoriert oder maximal als Werkzeug betrachtet, doch sie kämpft sich durch und überrascht, enttäuscht, erfreut und besiegt viele.

In diesem Roman erlaubt sich der Autor relativ viele Freiheiten in Bezug auf die daoistischen Rituale, hat jedoch nichts davon erfunden. Alles in seinem Roman an Ritualen und Zaubern bezieht sich auf belegte Vorgänge, wenn auch der Autor hier schamlos Traditionen vermischt, die so nie vermischt wurden.
Boroson zeichnet ein sehr interessantes Bild von der Ehre und dem „Wahren des Gesichts“ alter chinesischer Traditionen. Und das ganze vor dem Hintergrund eines aufstrebenden San Franciscos. Dazu kommt noch die tapfere Protagonistin Li-lin, die gefangen in den alten Strukturen versucht ihren Platz zu finden. Denn sie will zwar, kann sich aber nicht mit dem ihr zustehenden Platz zufriedengeben.

Die Geschichte zieht den Leser in eine Welt der Geister, der Dämonen und der Magie. Machtgier und Verrat stehen Treue und Ehre gegenüber. Der Roman ist so spannend und faszinierend geschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen will (oder Pause drücken will beim Hörbuch). Dazu kommen noch einige andere sehr interessant ausgearbeitete Charaktere wie Mr. Eyeball und Pak Choi. Mein Fazit lautet: ich hab herausgefunden, dass im September eine Fortsetzung kommt und ich freu mich riesig darauf. Das Buch fand ich sogar so interessant, dass ich es auf Amazon gekauft und einer Kollegin, die ebenfalls Wuxia-Fan ist, geschenkt habe. Also auf jeden Fall empfehle ich dieses Buch allen. ffff